Tagebuch

Tagebuch eines Eventflüchtlings

In den letzten Tagen und Wochen habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu den sensationellen Erfolgen unseres Vereins in den diversen Pokal-Wettbewerben entwickelt. Es stellt sich mir die Frage, ob wir so einfach ohne weiteres die sportlich unglaublich geilen Dinge, die im Moment passieren, einfach genießen dürfen, ohne die Begleitumstände zu reflektieren und ggf. daraus Konsequenzen zu ziehen.

Schon beim Oddset-Pokal-Finale an der Hoheluft kam man sich vor wie bei einem Bundesliga-Spiel. Relativ knapp bekleidete Mädchen verteilten Werbezettelchen, das Radio sorgte mit duftem Glücksrad für Unterhaltung und alles war voll mit Werbung. Ein Event wie es im Buche steht. Also genau das, was wir eigentlich nie wollten. Andererseits wollen wir auch in den DFB-Pokal und in die Regionalliga. Anscheinend geht es in diesen Gefilden nicht ohne erwähnte Rahmenbedingungen.

Das war auch in der ersten Runde gegen Oberhausen zu spüren. Dort gab es dann weniger Werbung und kein Radio. Aber auch nur, weil der DFB es seinen exklusiv-Sponsoren nicht zumuten wollte, dass auch nur das Logo eines Konkurrenten in Sichtweite ist. Da ist es doch klar, dass auf dem Esspresso-Wagen der Schriftzug mit Namen des Cafés überdeckt wird. Nicht auszudenken welche Verluste Firmen wie Bitburger & Co sonst zu erleiden hätten…

Auch gab es erste Proben davon, was uns in einer Regionalliga wohl erwarten dürfte: Probleme mit Platz für Fahnen (die recht zügig geklärt werden konnten, diesmal) etc. pp., das ganze Programm.

Aber ist es das alles Wert? Sollten wir uns wirklich wünschen, die sportlichen  Erfolge der letzten Zeit bald auch endlich mit einem Aufstieg belohnt zu sehen? Sollen wir uns wirklich ein großes Los  im Pokal wünschen, wo doch der Umzug in die Arena oder ins Viertel droht, wo die Bedingungen für uns wahrscheinlich nicht einfacher würden?

Es ist ein Zwiespalt. Einerseits freut man sich aus vollem Herzen über die Erfolge auf dem Platz. Über dieses Etwas, das in einer idealen Welt dauerhaft im Mittelpunkt stehen würden. Fußball heißt es glaub ich. Klingt wie aus einer vergessenen Welt.

Andererseits bleibt am Tag danach dann doch der leise, aber immer lauter werdende Zweifel, ob wir als Eventflüchtlinge nicht viel schneller als uns lieb sein kann wieder in die unwirtliche Welt des Events gezwungen werden. So wie sich Gerüchten zufolge so mancher St. Pauli-Fan die Regionalliga-Zeiten zurück wünscht, könnten auch wir in wenigen Jahren sagen: „Das ist nicht mehr mein Vicky!“.

Ich gestehe, dass ich mich angesichts dieser Aussichten des öfteren dabei erwische mir zu wünschen, dass wir nie genug Geld für die Regionalliga zusammen bekommen. Und trotzdem: Auch heute werde ich mich wieder einen Ast freuen, wenn blau-gelb gewinnt, ein Teufelskreis…

Nachdenkliche Grüße,

ein Eventflüchtling

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Stream

Tagebuch eines Eventflüchtlings

Es ist Samstag am frühen Abend. Gerade eben hat das sog. Topspiel der Bundesliga angefangen. Und weil es dieses Mal wirklich interessant ist (Bayern-Bremen) begebe ich mich auf die Suche nach einem laufenden Stream.

Und dann gerate ich ins Grübeln: Darf ich das überhaupt? Kann ich als erklärter Eventflüchtling wirklich ruhigen Gewissens die Bundesliga verfolgen?

Letztlich sind die Streams da das geringste Übel. Aber auch Kicker.de oder 90elf.de (Internet-Radio mit Übertragung aller Bundesliga-Spiele) werden von mir öfter angesteuert. Mache ich mich damit nicht auch irgendwie zum Handlanger des Events, schließlich leben Letztgenannte auch von meinen Klicks?

Diese Fragen geistern durch meinen Kopf und eindeutige Antworten zu finden fällt mir schwer. Klar ist, wenn ich die Bundesliga etc. so verfolge, dass es irgendjemandem nützt, sei es über Quoten und/oder Klicks, leiste ich auf jeden Fall einen Beitrag dazu, dass mit diesen Angeboten Geld verdient wird. Doch wie generieren die Fußballunternehmen heutiger Prägung das meiste Geld? Wohl über die Fernsehrechte, die Eintrittskarten und das Merchandise. An keinem der drei beteilige ich mich direkt. Ich habe keine Box zu Hause stehen, die meine Fernsehgewohnheiten aufzeichnet, ich gehe nicht ins Stadion und ich kaufe in keinem Fan-Shop ein. Die DFL hat zwar von 90elf auch Geld bekommen, das dürfte sich aber im verschwindend geringen Bereich bewegen. Summa sumarum bin ich also kaum an den kommerziellen Tätigkeiten der Profi-Clubs beteiligt.

Aber warum gucke ich überhaupt noch diesen Fußballunternehmen dabei zu, wie sie Geld generieren? Ganz einfach: Ich liebe Fußball. Amateurfußball ist zwar gut und schön und ich würde aus aktiver Fansicht nie wieder in den Profifußball zurück kehren wollen.

Was mich allerdings dazu bringt doch regelmäßig eben diesen zu verfolgen, dürften zwei Dinge sein:

Erstens habe ich vor Jahren mein Herz an einen der großen Clubs verloren. Diese Leidenschaft ist zwar im Zuge von Eventisierung und Kommerzialisierung merklich abgekühlt, das Interesse und Mitfiebern ist in stark abgeschwächter Form aber immer noch da.

Zweitens wird nun mal in der Bundesliga der attraktivste Fußball Deutschlands gespielt. Genauso wie ein Spiel Vicky gegen St. Pauli II sehr viel spannender ist, zumindest in rein fußballerischer Hinsicht, als ein Spiel der Kreisklasse A, ist nun mal ein Spiel zwischen Bayern und Werder, zumindest in der Theorie, von mehr technischer und taktischer Finesse geprägt als eben erwähntes Spiel zwischen dem SCV und den Kiez-Kickern.

Es ist also die Liebe zum Sport, die mich dazu treibt, den Profifußball zu verfolgen. Das Gute daran ist, dass so gut wie niemand an mir verdient. Von daher halte ich es für legitim dies zu tun.

Kritisch wird es aus meiner Sicht dann, wenn ich aktiv Teil des Events werde. Wenn ich zu dem beitrage, das andere unter anderem dazu treibt ins Stadion zu gehen oder ein Sky-Abo abzuschließen: Die Stimmung in den Stadien; ist doch die Show in den Kurven für viele sog. Kunden das, was den Besuch im Stadion erst so richtig spannend macht.

Mit dieser Beteiligung werde ich nicht nur ein Teil des Events, nein, ich unterstütze damit auch indirekt die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs. Für Sponsoren sind Spiele in Friedhof-Atmosphäre unschön. Auch Sky freut sich über die Hintergrundkulisse.

Ich kann jeden verstehen, der sagt, er singe für die Mannschaft. Die Frage stellt sich allerdings, ob  a) diese elf Millionäre überhaupt wirklich irgendjemandes Mannschaft sind und b) ob es nicht geschickter wäre sich dem ganzen Event und -Kommerzialisierungswahn zu entziehen. Aus meiner Sicht ist es nur so möglich etwas zu ändern bzw. mit einem reinen Gewissen zu leben. Denn sonst mache ich mich automatisch zu einem Teil dessen, was ich bekämpfe. Absurd irgendwie…

Immer noch einen Stream suchende Grüße

ein Eventflüchtling

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HSV

Tagebuch eines Eventflüchtlings

Kopfschütteln, einfach nur Kopfschütteln. Das ist auch jetzt, eine knappe Woche nach dem Event gegen den HSV, das, was mir zuerst durch den Kopf geht, wenn ich an dieses „Spiel“ denke.

Das fing schon im Bus an. Gut, die üblichen Fan-Club-Pullis mit Holsten in der Hand waren zu erwarten gewesen. Nicht unbedingt schön anzusehen, aber hey, was will man machen, die gehören zum HSV irgendwie dazu. Aber bitte: Muss man denn wirklich in voller Montur mit drei Schals an den Handgelenken und Fahne zu einem TESTSPIEL in einer Nationalmannschaftspause gehen, wo doch sowieso (fast) keiner der ach so geliebten Millionäre dabei ist?

Aber das war nur der Anfang. Das ganze Ausmaß des Event-Terrors, der gleich auf mich hereinbrechen würde, war schon im Vorbeifahren zu erahnen. Security, ganz viel Security. Wozu genau? Keine Ahnung. Auf jeden Fall schien es aus irgend einem Grund wichtig zu sein, dass ich nichts zu Trinken mit ins Stadion nehme. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang mit der mannigfaltigen Auswahl an wie immer super günstigen Getränken im Stadion sah…

Aber es gab auch noch Schlimmeres als die Security. Zunächst war da die „Musik“. Herr K. hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen, dem Anlass entsprechend das volle Malle-Party-Fußball-Hits-Programm abzuspulen. Ganz großes Kino! Aber letztlich war das nur konsequent vom lieben Peter. Schließlich entlarvte diese Scheiße diesen Abend endgültig als das, was es nun mal war: Ein Event wie aus dem Lehrbuch. Nach dem Oberhausenspiel schon das zweite Mal diese Saison, dass wir Flüchtlinge uns einem solchen ausgesetzt sahen. Wenn der Verein nicht jeden Euro bräuchte, wäre wohl keiner von uns freiwillig an diesem Dienstagabend erschien.

Ganz anders die Kundschaft des HSV. Diese strömte in Heerscharen an die Hoheluft. Aber warum? Die wirklich interessanten Spieler waren alle bei ihren Nationalmannschaften, sodass das eigentlich ein Spiel der U23 gegen einen Oberligaverein war. So richtig spannend oder erkenntnisfördernd bzgl. der sportlichen Stärke „ihres“ Vereins war das Ganze also nicht. Aber anscheinend reicht es heutzutage lange genug vom „Super-Event, bei dem alle dabei sein müssen“ zu reden, damit die Leute wie die Lemminge folgen. Wenn es nicht dem SCV so gut tun würde, könnte man darüber weinen…

Um das Event perfekt zu machen waren natürlich auch die dabei, die sonst ihre Samstag Nachmittage dazu nutzen, die Werbeveranstaltungen in den Bundesligastadien durch ihre Gesänge etwas spannender für die restliche Kundschaft zu gestalten. Wie bei der Fashion Week führten sie in nicht enden wollenden und sich wiederholenden Defilees ihre Bauchtaschen & Co vor. Das teilweise ob des couragierten Auftritts unserer Jungs gar nicht mal so schlechte Fußballspiel interessierte sie dabei übrigens recht wenig. Der Sieger des Abends schaffte es auf grob geschätzte 15 Mal auf und ab marschieren, Hut ab!

Alles in allem hat dieser Abend jedem von uns noch einmal verstärkt vor Augen geführt, warum wir das Geschäft Bundesliga hinter uns gelassen haben und warum dieser Schritt so unglaublich richtig war. Nervige weil überflüssige und profitorientierte Securitymaßnahmen, dämliche Musik und überall nervige Kunden: Wenn ich mir vorstelle, ich müsste mir das Woche für Woche antun….

Gespannt darf man sein, wann endlich der Bogen überspannt ist. Wann wachen diese Menschen auf und erkennen, dass sie nur (!) noch Teil des Geschäfts sind, das mit „ihrem“ HSV (an dieser Stelle könnte auch jeder andere Profi-Club stehen), e.V. hin oder her, nur noch herzlich wenig zu tun hat?!  Es ist allerdings zu befürchten, dass dies so schnell nicht der Fall sein wird. Kritisches Hinterfragen mag es vereinzelt auch heute schon geben, Konsequenzen daraus ziehen leider nicht wirklich. Wie voll wäre sonst das Eventflüchtlingslager Amateurfußball?!?

Und so wurde auch heute schon die nächste Generation an das Erleben eines Fußballspiels in Form eines Events gewöhnt: Die vielen Kinder – die ich ausdrücklich von meiner Kritik ausnehmen möchte, schließlich kennen sie es nicht anders und wissen es daher nicht besser – erleben heutzutage den Kommerzwahnsinn in den Namenswechsel-Arenen dieses Landes als ebenso normal wie die Partyveranstaltungen rund um die Nationalmannschaft. Man darf gar nicht genauer darüber nachdenken, was für eine Generation da heran gezüchtet wird…

Ich jedenfalls freue mich einfach nur auf richtig schön einfachen Amateurfußball ohne Schnickschnack. Die Uhlenhorster Woche ist jedenfalls ein guter Weg um das nächste nahende Event Ende Oktober erst einmal zu verdrängen.

Immer noch kopfschüttelnde Grüße

ein Eventflüchtling

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Erfolg

Tagebuch eines Eventflüchtlings

Erfreut habe ich nach dem Spiel gegen St. Pauli II festgestellt, dass sich auf Seiten der Braun-Weißen in wohltuender sachlicher Art und Weise mit unserem Konzept der Eventflucht auseinander gesetzt wurde. So gab es auf der Internet-Präsenz der Gazzetta d’Ultrà, dem Fanzine der Ultra Sankt Pauli, folgende Zeilen zu lesen:

„Das „Konzept“ der Eventflucht und deren Betonung als Ideal erschliesst sich mir nicht wirklich. (…) Das [sic!] die Fankurven ein Teil der Vermarktungsstrategie sind, ist doch jedem klar. Wäre ja schlimm, wenn das Leuten noch nicht aufgefallen wäre. Was gedenkt aber der Nordkaot zu machen, wenn sich beim SCV nach der zehnten Meisterfeier (Laaaangweilig?) doch plötzlich Geld für den Aufstieg findet und es vllt. noch höher hinausgeht? Dann bleibt die Person weg um ja nicht Teil des Fussballkommerzes zu werden? Nur noch Basketball in Itzehoe? Ab wann gilt der Fussball denn als korrumpiert, ab der Regionalliga? Oder erst ab der 3. Liga? Weird, da wird also quasi der Misserfolg des Vereines gewünscht um ja seinen unkommerziellen, orthodoxen Idealen folgen zu können. Wie gesagt, nicht meins. Ich will irgendwann mit dem FCSP nach Europa.“ (http://gazzetta.blogsport.de/2010/09/24/vicky-vs-fcsp-ii-45/)

Diese sind quasi eine direkte Antwort auf zuvor die an dieser Stelle erhobenen Vorwürfe, wonach jeder, der gegen den „modernen Fußball“ wettert, gleichzeitig aber in die Arenen dieser Welt pilgert und damit zum nicht unwichtigen Teil des Events wird, irgendwie doch absurd handelt. Nun möchte ich die Gelegenheit nutzen wiederum zu antworten, vielleicht wird es ja sogar von der anderen Seite gelesen, man weiß ja nie.

Jedenfalls hat der Autor der Gazzetta mit seinen natürlich nicht unberechtigten Fragen den Kern einer Kontroverse getroffen, der sich quasi durch die nunmehr knapp 2 ½ Gruppenexistenz zieht: Ist der Aufstieg wirklich wünschenswert? Wäre Fußball nach unseren Vorstellungen leben auch in der Regionalliga möglich?

Jeder in unserer kleinen aber feinen Gruppe hat hierauf eine individuelle Antwort, sodass ich an dieser Stelle nur meine persönliche (!) Sicht darlegen kann und will. Wir sind ja noch nicht so groß, dass eine kleine Führungsriege der großen Menge vorschreiben könnte, was sie glauben und denken darf…

Ich persönlich sehe das ganze sehr sehr zwiegespalten: Einerseits sagt mein Verstand ganz klar, dass die Regionalliga nichts Gutes bedeuten würde. Auch wenn die Kommerzmaschinerie, soweit ich das beurteilen kann, dort noch nicht ganz so schlimm wütet wie in den Ligen weiter oben, wären vor allem die drohenden Repressionen für mich schon zu viel des Guten. Allein was uns in der Aufstiegsrunde in der Saison 2007-2008 entgegen schlug hat mir die Lust auf Regionalliga gründlich genommen.

Kleiner Rückblick: Da wurde beim Traditions-Derby in Gifhorn (Achtung Ironie!) schon mal die Länge der Fahnenstange beschnitten, sodass wir uns das Spiel damals freiwillig von draußen angeschaut haben. Auch beim seit-Jahrzehnten-Tod-und-Hass-Spiel gegen Oberneuland (wieder leichter Fall von Ironie) waren dann zwei Zivis anwesend und haben die Chance auch gleich zum handgreiflich werden genutzt. Von übermotivierten Ordnern ganz zu schweigen.

Und das dürfte nur ein Vorgeschmack auf das gewesen sein, was uns vor allem bei Auswärtsspielen in der RL blühen dürfte. Daher sagt der Verstand wie erwähnt ganz klar „Regionalliga, Nein Danke!“

Trotzdem bin ich Fußball-Fan. Und als solcher freue ich mich natürlich bei jedem Sieg. Und wenn er dann noch die Meisterschaft bedeutet, umso mehr. Die Spiele, an denen Vicky in der Vergangenheit die Meisterschaften klar gemacht hat, werde ich mein Leben lang nicht vergessen, auch wenn schon Wochen vorher klar war, dass die Schale an der Hoheluft landet. Und nein, Meisterschaften werden nicht langweilig, vor allem nicht, wenn sie so dramatisch errungen werden wie am letzten Spieltag der vergangenen Saison!

Und da es in einem Kommentar auf dem Gazzetta-Blog angesprochen wird: Auch das Weiterkommen im DFB-Pokal wird noch meine Enkel beschäftigen, da dieser Tag einer der emotionalsten in meinem Leben bisher war und auch bleiben wird.

Aber hier ist die meiner Meinung nach entscheidende Unterscheidung zu machen: Emotionen vs. Verstand.

So wäre die Freude über über den Aufstieg im ersten emotionalen Moment riesig. Nix Trauer bzw. Misserfolg wünschen!

Nur: Irgendwann würde der Verstand ins Spiel kommen und die Konsequenzen betrachten. So wie nach dem Erreichen der zweiten DFB-Pokal-Runde die Freude nachhaltig durch den nötig gewordenen Umzug ans Millerntor getrübt wurde, würde auch der Tag nach einer irgendwann evtl. möglichen Aufstiegsfeier ein Tag des Reflektierens und Nachdenkens werden.

Klar, zunächst wäre auch ich euphorisch und würde daran glauben wollen, dass es schon nicht so schlimm wird. Aber wenn sich die Befürchtungen dann doch bewahrheiten sollten, wäre es für mich unabdingbar zügig einen Schlussstrich zu ziehen. Wenn ich meinen Verein bzw. dessen Aushängeschild Herren-Fußball-Abteilung nicht so unterstützen kann wie ich es möchte, muss ich mir halt andere Möglichkeiten suchen! Auch die zweite Mannschaft freut sich über 10 singende Kaoten…

Nun könnte man sagen, dass dies feige wäre, dass ich gefälligst zu kämpfen hätte. Klar, an sich richtig. Bleibt nur die Frage, ob es klug ist sich in einem Kampf aufzureiben, in dem man auf verlorenem Posten kämpft? In dem es schon ein großer Sieg ist, wenn bspw. mal ein unliebsames Banner ins Stadion geschmuggelt werden kann?

Meine Sicht ist letztlich die: Ich bin lieber feige und kann mir an einem Dorf-Grand-Platz die Seele aus dem Leib schreien und komplett abdrehen, meiner Kreativität freien Lauf lassen, ja letztlich mich selbst verwirklichen, als dass ich in Leipzig in der Red-Bull-Arena mit 10 Mann umringt von 200 Bullen und 3000 Kameras stehe und dankbar sein darf, wenn ich nicht fürs Aufkleber-Kleben ins Gefängnis komme!

Sich jetzt schon auf das Spiel an der Brucknerstraße freuende Grüße

ein Eventflüchtling

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